Zuchtplanung

Deckrüden auswählen: was vor der Entscheidung geprüft gehört

Ein gut aussehender Rüde mit sympathischem Besitzer ist noch keine gute Verpaarung. Diese Checkliste geht durch, was vorliegen sollte, welche Fragen sich lohnen und woran man erkennt, dass etwas nicht stimmt.

Gesundheitsuntersuchungen

Der erste Blick gilt den Befunden. Ein seriöser Rüdenbesitzer legt sie unaufgefordert vor, mit Datum und Ergebnis. Wer ausweicht oder auf „alles gesund" verweist, hat sie vermutlich nicht.

Röntgenologisch auszuwerten

  • HD — Hüftgelenkdysplasie, ausgewertet von einem anerkannten Gutachter. Die Skala reicht von A über B bis E.
  • ED — Ellenbogendysplasie, Grad 0 bis 3, für beide Seiten getrennt.
  • LÜW — Lumbosacraler Übergangswirbel, Typ 0 bis 3.
  • Patella — Kniescheibenluxation, Grad 0 bis 4. Bei kleinen Varianten unverzichtbar, weil Patellaprobleme dort häufiger auftreten.

Augen

Eine Untersuchung durch einen Fachtierarzt für Augenheilkunde, beim Dortmunder Kreis gelistet. Die Bescheinigung gilt zwölf Monate — ein drei Jahre altes Papier ist kein gültiger Nachweis. Geprüft werden unter anderem Katarakt, Retinadysplasie, persistierende Pupillarmembran, Entropium und Ektropium.

Gentests

TestKürzelWorum es geht
Medikamenten-
unverträglichkeit
MDR1
Betroffene Hunde reagieren auf gängige Wirkstoffe lebensbedrohlich. Bei Hütehunden der wichtigste Test überhaupt.
Merle-Status
M-Lokus
Pflicht bei beiden Elterntieren. Kryptisches Merle ist am Fell nicht erkennbar.
Collie Eye Anomaly
CEA
Erbliche Fehlbildung der Aderhaut, kann zur Netzhautablösung führen.
Progressive Retina-
atrophie
PRA-PRCD
Fortschreitender Netzhautabbau, führt zur Erblindung.
Hereditärer Katarakt
HSF4 / HC2
Erblicher grauer Star in der Aussie-typischen Variante.
Degenerative
Myelopathie
DM · SOD1A
Fortschreitende Erkrankung des Rückenmarks im höheren Alter.
Neuroaxonale
Dystrophie
NAD
Neurologische Erkrankung, die bei kleinen Aussie-Varianten beschrieben ist.
Bandscheiben-
veranlagung
CDDY / IVDD
Erhöhtes Risiko für Bandscheibenvorfälle.

Träger sind nicht automatisch ausgeschlossen

Bei rezessiv vererbten Erkrankungen erkrankt nur, wer zwei Kopien erbt. Ein Träger kann verpaart werden, sofern der Partner frei ist. Das ist sogar sinnvoll, weil der vollständige Ausschluss aller Träger die genetische Vielfalt einer Rasse verengt. Entscheidend ist, dass beide Ergebnisse vorliegen und zueinander passen.

Papiere und Zuchtzulassung

  • Ahnentafel eines zuchtbuchführenden Vereins
  • Gültige Zuchtzulassung oder Körung, je nach Verband
  • DNA-Profil zur Abstammungssicherung
  • Transpondernummer, die mit den Papieren übereinstimmt

Prüfe früh, ob die Papiere beider Hunde zueinander passen. Nicht jeder Verband erkennt fremde Zuchtbücher an. Eine Verpaarung, die sich anschließend nirgends eintragen lässt, bringt weder dir noch den Welpenkäufern etwas.

Genetische Vielfalt

Zwei Kennzahlen lohnen einen Blick, wenn eine Diversitätsanalyse vorliegt:

  • Inzuchtkoeffizient — wie eng die Ahnen miteinander verwandt sind. Niedriger ist besser.
  • Heterozygotie — wie viele unterschiedliche Genvarianten der Hund trägt. Höher ist besser.

Beide Werte sind nur im Vergleich zum Rassedurchschnitt aussagekräftig. Ein Inzuchtkoeffizient von sechs Prozent klingt niedrig, liegt bei manchen Rassen aber über dem Schnitt. Frag nach dem Vergleichswert.

Wichtiger als die Zahl ist ohnehin die Verpaarung selbst: Entscheidend ist, wie eng deine Hündin mit dem Rüden verwandt ist, nicht wie der Rüde für sich dasteht.

Wesen

Der Punkt, der sich am schwersten belegen lässt und am meisten zählt. Wesen vererbt sich, und zwar deutlich. Ein unsicherer oder aggressionsbereiter Rüde gibt das weiter, unabhängig davon, wie gut die Befunde aussehen.

Sieh den Hund persönlich. Nicht in der Wohnung des Besitzers, sondern draußen, bei einer Begegnung mit fremden Menschen und Hunden. Ein Videoanruf ersetzt das nicht.

Ein gutes Zeichen

Wenn ein Rüdenbesitzer von sich aus Einschränkungen nennt — etwa dass der Hund dominant ist, mit bestimmten Konstellationen Schwierigkeiten hat oder eine bestimmte Führung braucht — ist das kein Warnsignal, sondern das Gegenteil. Wer nur Vorzüge aufzählt, hat entweder nicht genau hingesehen oder sagt nicht alles.

Fragen an den Rüdenbesitzer

  • Hat der Rüde bereits gedeckt? Wie viele Würfe, wie viele Welpen?
  • Gibt es Rückmeldungen aus der Nachzucht — Gesundheit, Größe, Wesen?
  • Wie verhält er sich gegenüber fremden Rüden und Hündinnen?
  • Wie läuft der Deckakt ab, reist er oder kommt die Hündin?
  • Wird eine Progesteronbestimmung erwartet?
  • Was passiert, wenn die Hündin leer bleibt?
  • Sind die Originalbefunde einsehbar?

Die Frage nach der Nachzucht ist die aufschlussreichste. Ein Rüde, der bereits Welpen hat, liefert Daten, die kein Befund ersetzt: Wie fallen die Nachkommen tatsächlich aus?

Der Deckvertrag

Schriftlich, vor der Deckung, mit beiden Unterschriften. Hinein gehören:

  • Namen und Zuchtbuchnummern beider Hunde
  • Höhe der Deckgebühr und wann sie fällig wird
  • Regelung, falls die Hündin leer bleibt — kostenloser Nachdeckversuch bei der folgenden Läufigkeit oder Teilrückerstattung
  • Regelung bei einem Einzelwelpen
  • Wer die Reisekosten trägt
  • Zusicherung, dass die genannten Befunde zutreffen

Eine mündliche Absprache reicht, solange alles gut geht. Sie reicht nicht mehr, sobald es das nicht tut — und genau dafür schreibt man Verträge.

Warnzeichen

  • Befunde werden „nachgereicht", kommen aber nie
  • Der M-Lokus wurde nicht getestet, weil der Hund „ja nicht merle ist"
  • Eine bestimmte Endgröße oder Farbe wird zugesichert
  • Kein persönliches Kennenlernen möglich
  • Auffallend niedrige Deckgebühr ohne Bedingungen an die Hündin
  • Kein Interesse daran, wie es der Nachzucht später geht

Der letzte Punkt sagt oft am meisten. Wer seine Nachkommen aus dem Blick verliert, sobald die Gebühr bezahlt ist, betreibt keine Zucht.

Zur Farbgenetik und warum der Merle-Test bei beiden Elterntieren unverzichtbar ist, steht mehr im Abschnitt Merle verstehen.

Zum Deckrüden

Touched by Moonlight’s Charming Chase

Toy Australian Shepherd in Blue Merle Copper/White, 34,5 cm, 7 kg. HD A1, Ellenbogen und Patella beidseits Grad 0, Augen frei, vollzahniges korrektes Gebiss, alle rassespezifischen Gentests frei.

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